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Infos zum Thema Sammelgebiet -Das Filmplakat- |
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Das
Buch der Filmplakate
Volker Pantel
2.Auflage 1984 und 1987
Günter Albert Ulmer Verlag
ISBN 3-924191-04-2
Buch ist im Bestand!!
Preis: 65 EUR |
444
Filmplakate der goldenen Kinojahre 1946-1966
Volker Pantel + Manfred Christ
Verlag Wilfried Eppe, 1993
ISBN 3-89089-650-2
Buch ist im Bestand!!
Preis: 34,50 EUR |
| Die
beiden o.g. Bücher sind leider im normalen Buchhandel nicht
mehr zu bekommen. Manchmal kommt ein solch seltenes Exemplar gebraucht
in meinen Bestand, so wie im Moment. Ich bitte Sie bei Interesse
um eine Mail
an mich. E-Mail:
daniela.cordes@plakatsammler.de
Anders sieht das bei Filmen aus. Viele der alten und hier genannten
Filme sind noch im Handel erhältlich. Teilweise kann man sie
kaufen, teilweise kann man sie in einer Online-Videothek (oder auch
in einer Videothek vor Ort) ausleihen. Eine gute Anlaufstelle sind
auch die Hochschulen, die über einen Studiengang verfügen,
der sich mit Filmen und Filmgeschichte
befasst. Oft besteht hier auch die Möglichkeit, sich einen
Film zumindest anzusehen (oder sich eine Kopie erstellen zu lassen).
Manchmal möchte man sich aber einen alten Film nur mal wieder
anschauen. Da gibt es Spezialitäten-Kinos, die oftmals Kultfilme
und ebenso Filmklassiker zeigen. Und nicht zu vergessen: das Fernsehen.
Auf einigen Programmen gibt es Themenabende, an denen Filme zu einem
bestimmten Thema gezeigt werden, neue wie alte. Und sonst greift
man auf die Videothek
online zurück. Im Zeitalter des Internet die schnellste
Möglichkeit, an alte Raritäten
zu kommen oder sie sich auch nur anzusehen.
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ACHTUNG!!
Derzeit sind beide Bücher im Bestand! |
Der
nachfolgende Text ist den beiden o.g. Büchern entnommen. Die
Freigabe zur Veröffentlichung des Textes auf dieser Homepage, geschieht
mit freundlicher Genehmigung durch Herrn Volker Pantel + Manfred Christ.
Vielen Dank dafür! |
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Vorwort
Filmplakate haben eine starke Aussagekraft über das, was Menschen
an Ängsten und Hoffnungen bewegt. Wenn ihnen auch von "fachkundiger
Seite" weniger künstlerischer Wert beigemessen wird, weil
die spezielle Filmplakatgestaltung in erster Linie den geschäftlichen
Erfolg anpeilt, dem sich künstlerische Gesichtspunkte unterordnen
müssen, so enthalten die bunten Werbeträger doch genügend
zeitgeschichtliche und psychologische Aussagekraft, um sich mit
ihnen zu beschäftigen.
Der größte Teil der in Auflagen von 3.000, 5.000 oder
10.000 Stück gedruckten Filmplakate im Format DIN-A 1 (DIN-A
2 oder DIN-A 0 Plakate erschienen in weitaus geringerer Auflage,
die Schätzungen schwanken zwischen 300 bis 2.000 Stück)
wurde aber durch den strapazierenden Gebrauch in Schaukästen,
an Litfaßsäulen und Hauswänden zerstört; schließlich
wurden überflüssige Exemplare vernichtet, wenn der Film,
für den sie waren, aus dem Verleih verschwand. Deshalb überlebten
nur relativ wenige Exemplare. Die Bestände bei Institutionen,
die auch Konsumplakate sammeln, sind lückenhaft und der Allgemeinheit
kaum zugänglich.
Nur vereinzelt erschienen einige Abbildungen preisgekrönter
Filmplakate in Fachzeitschriften, neuerdings auch filmgeschichtliche
Exemplare in einigen Kalendern. So bleibt die Notwendigkeit, auf
die wenigen noch verbliebenen und verfügbaren Plakate von Sammlern
zurückzugreifen, um dem Wunsch vieler Filmfreunde zu entsprechen,
auch die Plakate der "goldenen" 50er und frühen 60er
Jahre wiederzusehen, die unbewußt die Träume und das
Lebensgefühl jener Zeit ausdrückten und beeinflußten.
Wir haben sie in diesem Bildband (Das Buch
der Filmplakate) festgehalten. |
| Das
Plakat als Gebrauchsobjekt |
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Seit man Filme für ein breites Publikum herstellt,
werben Plakate für sie. Während sich die Filmtechnik von
ihren Anfängen bis zur Gegenwart enorm entwickelt hat, auch kaum
ein Thema vom Medium unberücksichtigt blieb, der Film vom einstigen
Jahrmarktvergnügen zur förderungswürdigen Kunstform
aufstieg, haben Filmplakate im Laufe von 75 Jahren ihr Aussehen nur
teilweise, ihre Bedeutung aber stark verändert. Was für
Plakate allgemein gilt, nämlich Aufmerksamkeit zu erregen und
Überzeugungsarbeit zu leisten, gilt insbesondere für Filmplakate.
Verkündet z.B. das Konzertplakat - meist in disziplinierter Schriftgestaltung
- nur einen dominierenden, den akustischen Genuß, so fordert
man vom Filmplakat die optimale Werbung für ein multimediales
Ereignis, das Auge, Ohr, Verstand und - last not least - Gefühl
und Phantasie anspricht.
Diese umfangreiche Forderung kann es nicht immer mit dem Idealanspruch
an jede Werbung, Verkaufshilfe zu sein, erfüllen; aber es rechtfertigt
schon seine Existenz, indem es informiert und ist bereits erfolgreich,
wenn es Interesse weckt.
Das Filmplakat ist also stets - wie alle Werbeplakate - zweckgebunden,
auf das Ziel der Verkaufsförderung, den Kinobesuch, ausgerichtet
und keine eigenständige Graphik, unterscheidet sich von langlebigeren
Werbegraphiken aber dadurch, daß es oft wesentlich schneller
aus dem Gesichtskreis der möglichen Zielgruppe, der Filminteressierten,
verschwindet, z. B. beim Programmwechsel oft schon nach Stunden.
Das
erfolgreiche Plakat muß darum schon beim flüchtigen Vorbeihuschen
des Blickes wie bei der sorgfältigen Betrachtung seine verkaufsfördernde
Wirkung tun. Sie zu erreichen hatte in den 50er und frühen 60er
Jahren eine wesentlichere Bedeutung als heute, wo weniger Filme als
damals gedreht werden, Herstellungskosten und Werbeaufwand aber oft
größer sind, das Fernsehen unbezahlte Reklame macht, indem
es Filmausschnitte neuer Streifen zeigt, und dem einzelnen Plakat
nicht mehr die frühere Bedeutung zukommt, was sich auch in einer
Änderung der Plakatgraphik durch eine künstlerisch interessierte
Minderheit Anfang der 60er Jahre niederschlug.
Welche Plakatgestaltung nun den zufälligen Passanten wie den
Cineasten zum Filmbesuch anregen sollte, war in den 50er Jahren nicht
allein dem Werbegraphiker überlassen. Der Filmverleih schrieb
ihm die Buchstabengröße der Schauspielernamen und die des
Titelschriftzuges, den sogenannten "Verpflichtungstext",
vor. Betrug dieser z. B. 100 Prozent und umfaßte gewohnheitsgemäß
die vier Namen der Hauptakteure, so mußten diese genauso groß
wie der eigentliche Filmtitel erscheinen.
"Und
der mußte optimal groß sein, am besten von einer Seite
zur anderen. Das schlug sehr oft den Entwurf kaputt", bemängelt
Klaus Dill, einer der prominenten Filmplakatgraphiker der 50er Jahre.
Hinzu kamen Ratschläge, Tips und Direktiven von künstlerisch
nicht immer sachkundiger Seite, denn die Pressechefs der Verleihe
ließen oft auch die Stimme der Raumpflegerin als "Meinung
des Volkes" bei der Entscheidungsfindung, welcher Entwurf der
beste sei, mitwirken. Was öfters wohl dem künstlerischen
Gesamteindruck geschadet, dem Filmplakat als reinem Werbeobjekt möglicherweise
genutzt haben könnte. Denn auch der röhrende Hirsch über
dem Ehebett entsprach damals - als Heimatfilme Millionen ins Kino
lockten - dem Geschmack der Allgemeinheit, zum Unwillen "volkserzieherischer",
moderner Kunstpädagogen.
Ein wachsames Auge hat auch die "Freiwillige Selbstkontrolle
der Filmwirtschaft" (FSK), die ab 1953 alle Entwürfe per
eingedrucktem Stempel freigeben mußte, auf die Graphiker. Sie
verlangte oft Änderungen, bemängelte den zu kurzen Rock
einer Dame oder eine zu brutale Kampfszene. Alle Plakatkritiker urteilten
rein gefühlsmäßig, denn es gab weder Marktanalysen
über die Werbewirksamkeit bestimmter Filmplakatmotive noch überzeugende
künstlerische Bestimmungen zur Darstellbarkeit weiblicher Konfektion
oder aggressiven Verhaltens.
Es ist daher verständlich, daß sich so entstandene Filmplakate
einer künstlerischen Wertung entziehen, zumal im einzelnen heute
kaum noch festzustellen ist, welches Plakat völlig selbständig
- ohne Verleihbeeinflussung - entworfen wurde.
Selbst wenn es alle gewünschten Eigenschaften vereinigte, was
es nur Gebrauchsobjekt, ein ein- oder mehrfarbig bedrucktes auf meist
schlechtem Papier im Format DIN-A 1 oder DIN-A 0, das im Schaukasten
der Kinos mit Reißzwecken, Nägeln oder Klebestreifen befestigt,
für den Verschleiß vorgefertigt war.
Heute ist das Filmplakat der 50er Jahre Zeitdokument und ästhetisches
Objekt, vor allem ein nostalgisches. Und das in einer Phase, wo das
herkömmliche Kino Endzeiterscheinungen zeigt, verschiedene Genres
wie z. B. "Western, Piratenfilm und Gesellschaftskomödie"
ausgestorben sind, da Videoboom, Porno- und Superactionfilme eine
unmißverständliche Veränderung der Traumfabrik signalisieren.
Ge- und Verbrauchsfilme, solche mit sozialkritischer Tendenz, auf
Gesellschaftsveränderung ausgerichtet, sowie die neuen Weltraumspektakel
sind dazu angetan, den Begriff "Traum" zu demontieren.
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| Plakataussage
und Plakatwirkung |
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Die
Menge der Plakate erlaubt uns eine Aussage über bestimmte Motivstrukturen
und gestattet uns, ihre Wirkungsweise auf den Betrachter anzudeuten,
auch wenn der Anteil eines Plakates am Erfolg oder Mißerfolg
eines Filmes schwer nachweisbar ist.
Vergleicht man die Reklamefotos der Filme mit den Plakaten, so stellt
man oft fest, daß nur ein Aushang- oder Pressefoto mit dem
Episkop auf das Papier projiziert, dann ausgemalt und mit einer
gängigen Szene - bei Westernplakaten z. B. einer Verfolgungsjagd
zu Pferde - ergänzt wurde.
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Diese
einfache, klischeehafte Lösung des Verleihauftrages mag durch
Zeitknappheit verursacht sein, aus ökonomischen Gründen
von den Auftraggebern gelobt und aus künstlerischen heute verdammt
werden. Entscheidend aber ist, was das Dargestellte für die
Masse der Betrachter bedeutete, warum sie von einem solchen Entwurf
angesprochen wurde.
Dabei ist die Erklärung der Werbewirksamkeit einfach, denn
ein Großteil der Plakatmotive gibt archaische Szenen menschlichen
Lebens, oft Konfliktsituationen, wie sie auf den "Stills"
der Standfotographen festgehalten sind, wieder.
Für diese wurden mehr oder weniger kunstvoll, oft in derber
Eindeutigkeit, Szenen arrangiert, die "so" gar nicht im
Film erschienen, aber die Handlungsessenz unmißverständlich
zum Ausdruck brachten, etwa den Kampf zweier "handfester"
Männer um eine Frau. So zeigt z.B. ein Foto, das als Plakatvorlage
für einen Western aus der Pionierzeit diente, zwei haßerfüllte
Grenzer, die in animalischer Wildheit aufeinander einschlagen, während
im Hintergrund eine liebliche dunkelhaarige Schönheit, schreckensbleich,
in weißem Tüllkleid, die Arme vom Körper gespreizt,
sich an die Wand einer Blockhütte drückt. Man darf erwarten,
daß sie dem Sieger als Belohnung in die Arme sinken wird.
Obwohl es im Film zwischen beiden Kontrahenten in Gegenwart der
attraktiven Dame mit der Wespentaille auf einer Tanzveranstaltung
zu einem kurzen Handgemenge kommt, das den Zuschauern die urtümliche
seit Jahrtausenden bestehende Kampfsituation zweier Männer
um eine Frau, stets in wechselnden Kostümen, sinnfällig
macht.
So
ist die meist im Hintergrund vieler Abenteuerfilmplakate gemalte
Dame, die einmal nachdenklich, dann melancholisch oder als "böser
Vamp" herausfordernd schaut, Gegenstand jener gewaltsamen Auseinandersetzung,
die sich im Plakatvordergrund abspielt.
Damit wird eine manche Zuschauer betreffende Lebenskampfsituation
um die Gunst einer Frau angesprochen, die bei ihnen im allgemeinen
weniger direkt, zivilisierter, oft nur kaum fühlbar, im Atmosphärischen
ausgetragen wird. Das Hervorzerren ins Bildliche, die "Inszenierung
der Urszene", und das gefühlsmäßige Verständnis
des Publikums für das Naive macht den Plakaterfolg aus.
Dagegen
kommt man im Zeitalter der Pille, der sechsstelligen Scheidungszahlen,
direkter als in hundert cinematographischen Melodramen "zur
Sache", in denen erst nach vielen schicksalshaften Begebenheiten
zwei Liebende wie z. B. Rhett Butler und Scarlett O'Hara in "Vom
Winde verweht" zueinander finden. Verständnislos und oft
nur irritiert stehen "aufgeklärte" Angehörige
beider Generationen deshalb vor solchem "Schmalz", vor
Plakaten wie aus einer anderen Welt. Und das sind sie auch. Zeugnisse
einer irrealen, überhöhten, künstlichen Traumwelt,
in der sich die meisten Liebenden nicht wie die heutigen zerbrochenen
Helden ihres geteilten Herzens bewußt sind, sondern unverbrüchliche
Treue bis über den Tod hinaus zelebrieren. Daher sind die tiefen
Blicke wie auf dem Plakat zu "Die blaue Lagune" und das
innige Zugetansein wie auf dem zu "Mit 17 beginnt das Leben"
Exemplare einer vergangenen Kinoromantik.
Das Publikum der 50er Jahre mit der Erfahrung des Zweiten Weltkrieges,
den körperlichen und seelischen Entbehrungen, hatte neben dem
Bedarf nach wirtschaftliche rund politischer Sicherheit auch ein
Bedürfnis nach Verbildlichung seiner Träume, und sei es
nur durch die Identifikation mit den Leinwandhelden, die stellvertretend
die jüngste Vergangenheit nachvollzogen.
Filmtitel
von 1952-1957: "Das war unser Rommel"; "Canaris";
"Der Stern von Afrika" oder das durch die Besatzungsliebchen
in Frage gestellte Frauenbild der tapferen, treuen Soldatenfrau
wiederherstellten.
In Film und Plakaten war Platz für die ganze Gefühlsskala.
Ungemischte, "chemisch reine" Empfindungen, tiefe Zuneigung
oder abgründiger Haß, lassen sich relativ leicht ins
Bildhafte übertragen. Sich verliebt, sehnsuchtsvoll oder glücklich
anschauende Paare, die auch den schmerzlichen Verzicht kennen (Plakat
zu "Was der Himmel erlaubt") gehören ebenso zu den
Urszenen beschreibenden Plakatmotiven wie der Haus und Hof verteidigende
Ritter, Cowboy oder Grenzer, der breitbeinig, eine Waffe in der
Hand, seinen Besitz schützt, zu dem er auch sein Weib zählt,
das sich beidarmig an seinen Rücken klammert.
Das
Filmplakat der 50er Jahre kannte die Betonung des sieggewohnten
naiven Helden. Häufig begegnete man ihm, dem "Herrn der
sieben Meere" oder dem "Herrscher des Dschungels"
auch außerhalb des Kinos in Schaukästen, an Straßenbahnhaltestellen,
hinter den Glasfensterscheiben der damals noch zahlreichen "Tante
Emma-Läden" oder an der Tür eines Zeitschriftengeschäftes.
Dagegen kann der problembewußte Held der 80er Jahre, Gegenspieler
und oft genug Opfer einzelpersönlicher und allgemeinfeindlicher
Erscheinungen des modernen Computerstaates, notwendigerweise nicht
mehr in archaischer Siegerpose auf Plakaten dargestellt werden.
Sein überlegenes Lächeln gehört der Vergangenheit
an. allenfalls schwitzt er wie Rambo, der Vietnamveteran, aus jeder
Pore Widerstandsbereitschaft bis zum Untergang.
Gefühlsschwankungen, die natürliche Substanz unzähliger
melodramatischer Variationen, verlangen filmische und graphische
Nuancierungen. Sie sind in beiden Medien schwieriger darzustellen.
Eifersucht und Neid werden oft plakativ durch einen scheelen Blick
aus der Distanz über die Schulter auf ein glückliches
Paar oder ein lachendes Mädchen angedeutet.
Ungewißheit,
insbesondere in Herzensangelegenheiten ein Vorrecht der Damen, machen
Dunstschleier oder rolloähnliche Schraffierungen vor dem gequälten
Antlitz sichtbar.
Viele Plakate erzählen auftragsgemäß eine Geschichte,
d. h. sie sind eine Ansammlung kleiner Szenendarstellungen und lassen
die graphische Ordnung, eine disziplinierte Bändigung des Stoffes,
vermissen. Das Durcheinander auf den Plakaten entspricht freilich
oft den Vorstellungsbruchstücken, welche die Reizworte des
Filmtitels auslösen. Eine "graphische Struktur",
die ihre Parallele in den 3 bis 5 minütigen Film-Voranzeigen
(Trailern) hat, wo sekundenlange Szenen, chronologisch un- geordnet,
die Phantasie des Betrachters in Bewegung setzen.
Vertraute die Filmwerbung dieser Mischung verschiedener Szenenbruchstücke
fast 20 Jahre lang, so glaubte man ab 1964 das ausgewogene Verhältnis
von "Geschäftssinn und künstlerischer Ambition",
in dem Sachverständige "den Erfolgsschlüssel für
das Kinoplakat" sehen, gestört. So daß die meisten
Verleihfirmen einem Publikum - wie man meinte - mit geänderten
Sehgewohnheiten "möglichst wenig Farbe und möglichst
einprägsame, graphische Symbole, keine wie vor Jahren verlangt,
Erzählungen des Filminhalts bzw. typische Szenenfolgen"
zumuten wollten. Dabei enthielten die so ablösungsreifen "Erzählungen"
spezielle Zeichen und Signale, die vom Publikum leicht verstanden
wurden. 
Für Hunderttausende bedeutete der Kopf Gary Coopers oder Robert
Mitchums auf einem Plakat oder Transparent, ja nur die Nennung seines
Namens - etwa in einer Kinoanzeige -, Spannung, Männlichkeit
und Abenteuer. Filmtitel wie "Singapur", "Macao"
oder "Bengali" standen für Fernweh, Liebe und Exotik.
Jetzt zeigte die von den Kritikern in den 50er Jahren geübte
Plakatschelte, die man so lange ignoriert hatte, Spätfolgen.
Der Begriff der vielen Filmplakaten in abfälliger Weise zugesprochenen
Suggestivwirkung - übrigens das höchste Lob für ein
zweckgebundenes Plakat, das den Betrachter nicht einlädt, sondern
in seinen Bann zwingt - sollte durch Kunst ersetzt werden.
Beispielgebend
für die Wende zum angeblich "künstlerisch anspruchsvollen
und geschäftlich mindestens ebenso erfolgreichen Plakat"
sollte die an der polnischen Plakattradition orientierten aus Kostengründen
meist schwarz-weiß gedruckten Filmplakate eines Duisburger
Filmverleihs sein.
Verunsichert durch fast überschwengliche Belobigungen der neuen
dunklen - nur von einer Minderheit erschließbaren "Kunstplakate"
- begingen immer mehr Verleihe halbherzige Kompromisse, indem sie
nun mit verwaschenen schwarzweißen Plakaten für farbenfrohe
Breitwandspektakel warben oder grob gerasterte Fotos an den unsinnigsten
Stellen einbauen ließen.
Ein schlimmer Schritt zur Verleugnung einer fast genretypischen
Struktur war getan. Denn warum sollte ein Plakat, das für einen
Reißer warb, nicht reißerisch sein? Warum sollte es
durch künstlerische Gestaltung den Wesenskern des Werbegegenstandes
verfälschen? Welches Plakat konnte schon in künstlerischer
Weise für einen sogenannten Reißer werben, ohne den Film
als etwas anderes auszugeben als er war?
Das Gegenteil kam ebenfalls häufig vor. Nämlich die Tatsache,
daß Filme, z. B. Western, vom folkloristischen Titel bis zum
legendenhaften Inhalt, durch eine publikumswirksame Werbung bewußt
oder unbewußt, teilweise, nur den Titel betreffend oder ganz
zum Reißer verfälscht wurden. So wird aus dem amerikanischen
John Ford Klassiker "My Darling Clementine", "Faustrecht
der Prärie", aus "Stagecoach (Postkutsche) wird die
"Höllenfahrt nach Santa Fé" und aus "She
wore a yellow ribbon" "Der Teufelshauptmann".
War
die Entwicklung des graphischen Grundmusters in künstlerische
Bereiche durch die eingangs erwähnten Zwänge und Umstände,
ja Inhalte, sehr erschwert, so finden sich doch auch unter den Plakaten
manche, denen man in Technik und Komposition Qualität bescheinigen
darf. Oft sind es Filmplakate zu Themen klassischer Literatur ("Hamlet",
"Heinrich V."), die sich inhaltlich kaum in werbetypischer
Weise aufbauschen lassen, denen man kein Mehr an Gedankenverknüpfungen
"anbinden" kann. Oder es sind Plakate, in denen sich der
Graphiker bewußt zum Inhalt bekennt und aus den wiederkehrenden
Klischees durch neue Variationen das Beste macht.
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Vom Plakatentwurf zum Mehrfarbendruck |
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Für
die Herstellung von Filmplakaten gab es in der Nachkriegszeit nur
einige wenige Druckereien in Frankfurt, München und Berlin,
die jahrelang im Auftrage der Verleihe arbeiteten.
Auf den meisten Filmplakaten steht der Name des Druckbetriebes auf
dem unteren schmalen Rand des Plakates. Der bekannteste Betrieb,
der auch die meisten Werbeträger druckte, war "Winter-Druck"
in Heidelberg.
Sammler interessierte im allgemeinen nur die Auflagenhöhe der
Plakate, die Druckqualität im Verhältnis zum Original,
die Größe der Entwürfe und die Frage, was aus den
vielen Originalen bzw. Drucken geworden ist.
Die Plakatgestaltung der Graphiker war in der Technik, der Größe,
der Ausführungsweise und -qualität unterschiedlich. Während
z. B. Ernst Litter mit Aquarell arbeitete, führten Rolf Goetze
und Theo Bleser ihre Entwürfe in Tempera aus.
Hans
Otto Wendt zeichnete mit Kohlestiften und färbte den
Entwurf hinterher (mit Kreide?) ein, Heinz Bonné benutzte
mit der Spritzpistole eine dem heutigen Airbrush-Verfahren ähnliche
Technik.
Die Entwürfe wurden anfänglich im Format DIN-A 1 (59,4
x 84,1 cm) gestaltet und auch alle Schriften vom Graphiker selber
ausgeführt. Später, bei jedem sind die Zeiträume
da etwas anders, lieferte man auch kleinformatigere Entwürfe
ab, wobei meist ein reiner Schriftgraphiker die Darstellernamen
und den Titel ausführte, aus freier Hand oder mit Buchstabenschablonen.
Die Vergrößerung des werbekräftigsten Originals,
das aus verschiedenen Entwürfen (in der Regel zwischen zwei
bis fünf) ausgewählt wurde, ins Format DIN-A 1 brachte
oft eine gewisse Auflösung bzw. Weichheit der Konturen, ein
Moirée, beim Druck.
Doch
oft wurden auch Abweichungen vom Originalentwurf unbeabsichtigt
vom Lithographen verursacht. Denn für die im Handlithoverfahren
hergestellten Exemplare mußte der Lithograph den Entwurf auf
eine Folie übertragen, also den Originalentwurf nachzeichnen.
Das ist der Grund, weshalb sich heute manche Graphiker von verschiedenen
"ihrer" Plakate distanzieren und den Drucken nur eine
gewisse Ähnlichkeit mit den Original-Entwürfen zubilligen.
Und man beklagt, daß es nicht üblich war, daß ein
Filmplakatgraphiker wie einst Toulouse-Lautrec seine Entwürfe
auch selber lithographierte.
Der Verleih stellte für die Entwürfe den Graphikern Presse-
und Szenenfotos in unterschiedlicher Menge und Qualität zur
Verfügung. Nach diesem Material schuf der Graphiker, immer
unter dem Zwang der Verleihwünsche, "Stars, dominierende
Schauspielernamen, emotionsreiche Szenen, werbewirksame, auffällige
Farbigkeit", seinen Entwurf.
Für den Druck der Filmplakate nach 1945 kam, so Werner Sigmund,
ausschließlich das Offsetdruckverfahren in Frage. Dagegen
gab es bei der Reproduktion (Reproduktion bedeutet hier: Eine Vorlage,
einen Entwurf, so umzusetzen, daß das Ergebnis beim Druck
so originalgetreu wie möglich wird) grundsätzlich verschiedene
Verfahren für die Herstellung von Druckvorlagen, Farbauszügen
und Druckplatten, die ständig weiterentwickelt wurden, um eine
immer originalgetreuere Wiedergabe zu erreichen.
Was geschah nun mit den Originalentwürfen, ob kleinformatig
oder DIN-A 1 groß? Und was mit den Drucken?
Alle Originale wurden, sehr zum Kummer einiger Graphiker und vieler
Plakatfreunde, sofern nicht ein unbekannter Druckereiarbeiter einzelne
Kartons mit nach Hause nahm und sie dort verwahrt hat, dem Feuer
anvertraut, also verbrannt! Sogar die Witwe eines technischen Druckerei-Betriebsleiters
hat vor etwa 10 Jahren, als sie nach dem Tode ihres Gatten eine
kleinere Wohnung bezog, die 5.000 Filmplakatdrucke, die Arbeitsbelege
ihres ehemaligen Mannes, zum Sperrmüll gegeben! |
| Zur
Geschichte und Wirkung von Filmplakaten |
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Die
ersten Plakate waren vermutlich an Kirchentüren, Bekanntmachungen
der Verwaltungsbehörden am "schwarzen Brett" oder
Steckbriefe der Polizei. Nur der Inhalt dieser Veröffentlichungen
interessierte; die Qualität des Druckes oder des Papiers war
nur dann von Belang, wenn man die Mitteilungen schwer entziffern
konnte.
Anders war es bei Urkunden oder Bibeltexten, ob geschrieben oder
gedruckt. Hier erwartete man eine schmuckvolle Schriftgestaltung.
Während die Vorgänger unserer heutigen Schriftplakate
nur in unregelmäßigen Zeitabständen erschienen,
wurden etwa ab Ende des vorigen Jahrhunderts regelmäßig
moderne Plakate zur Information und Werbung genutzt.
Entscheidend
dafür war die Erfindung der Litfaßsäule (1854) durch
den Berliner Buchdrucker Ernst Litfaß. Eine andere Erfindung,
die des Kinomatographen und seine Weiterentwicklung durch die Gebrüder
Lumière, eröffnete der Filmindustrie nach der ersten
öffentlichen Vorführung am 22. März 1895 in Paris
wirtschaftliche Perspektiven. Das nötige Unterhaltungsbedürfnis
des Volkes nutzte und förderte das lautstarke Eigenlob der
Filmproduzenten auf und mit ihren Filmplakaten. Das Publikum jener
Zeit stellten zum größten Teil kleine Leute, Industriearbeiter
und Angehörige jener Bevölkerungsschichten, die sich in
ihrer Freizeit auch auf Jahrmärkten amüsierten. Auf dieses
Kirmespublikum waren die ersten Filme, meist slapstickartige Darbietungen,
und die ersten Filmplakate abgestimmt. Die cinematographischen Sensationen
"Die Reise zum Mond", von Georges Méliès
(192) und seine "Reise ins Unmögliche" (1904) wurden
denn auch sachentsprechend überlaut angekündigt. Und schon
den Plakaten jener Zeit ermangelte im allgemeinen, was Kritiker
heute noch immer an fast allen Posten vermissen: die künstlerische
Form. Dagegen erfüllten seit weitgehend ihren Reklameauftrag,
eine Hauptforderung, deren Vollzug heute, bei der Vielzahl der Werbemöglichkeiten
(Fernsehrezensionen, Zeitungsartikel etc.), schwerer als damals
nachprüfbar ist.
Im Lauf der letzten neunzig Jahre hat sich der Film vom Jahrmarktjux
zum Massenmedium und staatlich geförderten Kulturbetrieb entwickelt.
Filme werden als "Kunstwerke" prämiiert, Regisseure
und Schauspieler gelten und verstehen sich als Künstler. Ausnahmen
sind nur wenige Spielleiter - wie z. B. die verstorbenen Größen
John Ford und Howard Hawks -, die sich nur als gute Handwerker bezeichneten,
oder Filmstars wie Robert Mitchum und Marlon Brando, die in der
Darstellung vor der Kamera nichts Künstlerisches sehen.
Aber warum gibt es so wenige künstlerische Plakatentwürfe?
Die
ästhetische Forderung nach Ausgewogenheit der Plakatkomposition,
nach sicherer Verarbeitung schöpferischer Einfülle in
gebändigter Farb- und disziplinierter Schriftgestaltung geht
über den Auftrag des Filmplakates hinaus. Das Plakat sollte
informieren und zum Kauf einer Kinokarte veranlassen. Das geschah
am einfachsten, wenn man die spektakulären Ereignisse, auf
die ein Marktschreier gewöhnlich mündlich aufmerksam machte,
direkt auf dem Plakat abbildete. Und das unmißverständlich!
Da man nicht alle spannenden Filmabenteuer verbunden mit einer Starabbildung
auf dem Plakat unterbringen konnte, wählte man das vermeintlich
publikumswirksamste aus. Die anderen Geschehnisse konnte nur angedeutet
werden. Etwa Schwert und Schild als Zeichen für historische
Kämpfe oder die schmachtende Miete einer Filmschönen als
Signal für melodramatische Liebeskonflikte. Dieses graphische
Werbekonzept erweist sich noch gegenwärtig, nach Jahrzehnten,
als erfolgreich. Selbst wenn heute, aus Kostengründen und angeblich
verändertem Publikumsgeschmack, fast nur noch Fotoplakate für
die Kino-Center Ereignisse werben.
Das Plakat zog also, weil es auf dem Platz vor der Leinwand die
Befriedigung der Neugier und anderer menschlicher Urbedürfnisse
versprach oder zumindest die Auseinandersetzung mit ihnen.
Die von branchenfremden Kritikern gewünschte Plakatveredelung
in künstlerische Bereiche hätte schon damals dem meist
trivialen Wesen des Werbegegenstandes direkt widersprochen, galt
als geschäftsschädigend und fand deshalb nur in Ausnahmefällen
statt.
Warum
sollte man auch ein künstlerisch werbeunwirksames Plakat, das
ähnlich wie moderne Kunst nicht ohne Hilfe vom Laien verstanden
werden kann, zur "Werbung" einsetzen?
Obwohl man es sich gelegentlich hätte leisten dürfen,
z. B. wenn der Film sowieso in aller Munde war und auch ohne plakative
Reklame wie ein VW-Käfer lief und lief. Filme wie "Der
Förster vom Silberwald", "Die Fürstenhochzeit
von Monaco" oder "Die Trappfamilie" hätten auch
künstlerische Entwürfe verkraftet.
Selbst wenn das Kunstplakat leicht verständlich ist, scheitert
es in der Werbung. Grundsätzlich liegt das daran, daß
es durch seine Ausgewogenheit dem Zuschauer einen relativ geringen
Anteil jener Bestandteile liefert, die das in der Werbung so erfolgreiche
volkstümliche Trivialplakat, ohne Rücksicht auf die Form,
besonders betont. Etwa das erotische Element, ein kassensicherer
Handlungsträger unzähliger Leinwandspektakel. Was in einem
kunstvollen Plakat wie das zum Film "Grandison" symbolhaft
angedeutet wird (ein zerknüllter in alter Handschrift verfaßter
Brief, daneben einige abgefallene rote Rosenblätter und ein
aufgeklapptes Rasiermesser), würde auf einem kommerziell erfolgreichen
Entwurf wahrscheinlich in schwülstige, tränenreiche Eifersuchtsszenen
übertragen werden. Kurz, die Tragödie, die hinter den
Symbolen steht, sollte nicht gefolgert, sondern schon auf dem Plakat
gemalt sein.
Wir können hier nicht die graphischen Eigenarten sämtlicher
Genres abhandeln, aber zusammenfassend feststellen, daß allen
erfolgreichen Kinoplakaten die Darstellung menschlicher Urszenen,
emotionaler Ausnahmesituationen, gemeinsam ist. Wenn es um Leben
oder Tod geht, Erfüllung in der Liebe oder schmerzlichen Verzicht,
Freundschaft und Verrat, mußte der Graphiker naturalistisch
sein: Identifikationsfiguren, die leicht erkennbar nachvollziehbare
Konflikte stellvertretend für den Kinobesucher lösten,
wurden zu Stars auf Leinwand und Plakat. Das galt schon immer für
die Kintop-Exponate.
Aber nicht die Graphik allein aktivierte das Publikum. Hinzu kam
seine besondere Aufnahmebereitschaft nach den Bombennächten
des Zweiten Weltkrieges: die Sehnsucht von Millionen nach Ruhe und
Geborgenheit in einer überschaubaren, heilen Welt. Ein verlangen,
welches z. B. das Genre des Heimatfilmes weidlich ausnutzte. Ablenkungs-
und Unterhaltungsbedarf bestand auch, um zu vergessen, was war.
Heute jagt man - rund um die Uhr - der Unterhaltung in allen Medien
nach, um zu vergessen, was kommt!
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| Filmplakate
erhalten, ausstellen, abbilden? |
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Seit
einigen Jahren sind die fünfziger Jahre Gegenstand zeitgeschichtlicher
Untersuchungen, die sowohl die politischen Auswirkungen dieser Dekade
behandeln wie auch ihren speziellen Zeitgeist mit seinen vielfältigen
kulturellen Erscheinungen. Eine der auffälligsten ist zweifellos
das Massenmedium Film, dessen plakative Werbung aus den goldenen
Jahren des Kinos im Mittelpunkt dieses Buches (444
Filmplakate der
goldenen Kinojahre 1946-1966)
steht.
Denn Filmplakate verdeutlichen graphisch, welche Träume und
Ängste, Hoffnungen und Verzweiflungen die meisten Menschen
einer bestimmten Zeit bewegen. Die wirtschaftliche Bedeutung der
bunten Plakate als Werbemittel und die kulturgeschichtliche ist
gesichert durch die hohen Besucherzahlen der Kinos und durch die
Tatsache, daß neben Presseberichten die Plakate die wirksamsten
Reklameträger für die Allgemeinheit waren.
Höchst
wahrscheinlich motivierten nur die im Vorprogramm der Kinos gezeigten
Trailer, damals in der Branche "Vorspanne" genannt, die
Besucher ähnlich stark zu einem erneuten Filmbesuch. Ein Vorspann
zeigte in zwei- bis fünfminütigen, meist pathetisch kommentierten
Szenen, Ausschnitte aus dem nächsten Filmprogramm. Doch war
dieser auf Höhepunkte konzentrierte Werbekurzfilm eben nur
den Besuchern im Kino zugänglich. Die meisten Filmplakate der
fünfziger Jahre, hergestellt in Auflagen von 3.000, 5.000 oder
10.000 Exemplaren im Format DIN-A 1 (DIN-A 0- oder DIN-A 2-Plakate
erschienen in geringerer Auflage, man schätzt zwischen 300
bis 2.000 Stück), wurden durch den Gebrauch unansehnlich oder
zerstört. Überflüssige Exemplare wurden regelmäßig,
wenn der Film aus dem Verleih verschwand, mit abgespielten Filmkopien
und Trailern vernichtet.
Kam ein Film nach einigen Jahren erneut in die Kinos, ließ
der Verleih, in der Regel aus Mangel an noch vorhandenen Erstaufführungsplakaten,
meist ein neues Wiederaufführungsplakat, kurz WA-Motiv, entwerfen.
Aus Zeitmangel, Überbeschäftigung des Hausgraphikers,
oder Ersparnisgründen, geringeres Entwurfshonorar, druckte
man gelegentlich auch das Erstaufführungsplakat nach. |
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| Original
Plakatentwurf von Rolf Goetze |
Das
fertige Plakat |
Da
zumeist aber der Originalentwurf des Graphikers - auf Karton im Format
DIN-A 1 oder meist kleiner - branchenüblich nach dem Erstdruck
verbrannt worden war, mußte man als Druckvorlage auf ein Erstaufführungsplakat
zurückgreifen. Das Ergebnis war dann fast immer unbefriedigend,
da die Konturenschärfe des Originalentwurfs unter einem sogenannten
Moirée, einer verweichlichten Linien- oder Farbgestaltung,
verschwand. Die Ursprünglichkeit des Originals können deshalb
nur Erstaufführungsplakate wiedergeben, von denen aber nur wenige
Exemplare überlebten. Erfahrungsgemäß meist zufällig,
in Abstellräumen unter zentimeterdickem Staub, lädiert als
Verpackungsmaterial in Filmkartons, als vergilbtes "Schmuckstück"
in geschlossenen Vorstadtkinos oder halbherzig verwahrt als ehemaliges
Arbeitsutensil.
Was sich mehr oder weniger unbeabsichtigt an Reklamematerial (Plakaten,
Werberatschlägen, Verleih-Katalogen,
Fachzeitschriften etc.) nach dem Krieg in den Kinos angesammelt hatte,
wurde beim großen Kinosterben Anfang der sechziger Jahre vernichtet,
wenn aus den ehemaligen "Lichtspielburgen" Supermärkte
wurden. Bei der Umstellung der Filmtheater auf das Breitwandsystem
"CinemaScope" 1953/54 mußten die Kinos oft umgebaut,
Leinwand und Vorführraum verbreitert werden. Was bis dahin an
Vorkriegs-Filmplakaten in den Ecken "schmorte", fiel dieser
ersten großen "Säuberungsaktion" zum Opfer. Aus
dieser Zeit resultieren auch die meisten lückenhaften Archivbestände
plakatsammelnder Institute, die nicht umhin kamen, satzungsgemäß
das ungeliebte Material zu übernehmen. Auch Filmverleihe misteten
entsprechen aus. Ganze Wagenladungen an Reklamematerial, einschließlich
zerhackter heute fehlender Filmkopien, wurden zur Müllverbrennung
gekarrt! Niemand dachte, daß hier zeitgeschichtliches Kulturgut
entsorgt wurde.
Erst Ende der siebziger Jahre, als das naive Traumkino endgültig
seinen Geist aufgegeben hatte, zugunsten gewaltstrotzender Barbaren-Filme,
seien sie nun in der Vorzeit ("Conan"), Gegenwart ("Rambo")
oder Zukunft ("Terminator") angesiedelt, begann langsam
eine nostalgisch getönte Rückbesinnung auf die "goldenen"
oder je nach Standpunkte "falschen" fünfziger Jahre!
Der Anstoß dazu kam wie auf dem politischen Sektor "außerparlamentarisch",
also nicht von den sogenannten Fachleuten! Eine kleine Gruppe Düsseldorfer
Filmfreunde wollte neben den wiederbelebten Sonntags-Matineen auch
die komplette Nachgestaltung des Kinoerlebnisses, vom Kino-Gong über
Plüschsessel bis zu den Originalplakaten von einst. Und so begann
eine bis heute andauernde Detektivarbeit, deren Ergebnisse u. a. "Das
Buch der Filmplakate", verschiedene Filmplakat-Ausstellungen,
die Entstehung einer Sammlerszene und der vorliegende Bildband (
444 Filmplakate der
goldenen Kinojahre 1946-1966 )
sind. |
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